Wo Blumen den Asphalt aufbrechen
Gesangbuch der Evangelisch-methodistischen Kirche, Nr. 676
Benedikt Baum, Gesang
Hermann Baum, Klavier
Gedanken zum Text
Dieses Lied greift Bilder auf, die beim Propheten Jesaja, Kapitel 65, zu finden sind, "Wolf und Schaf werden beieinander weiden", ebenso aus der Offenbarung des Johannes, im letzten Buch der Bibel im 21. Kapitel "Gottes neue Welt".
 
Ein Zukunftstraum, etwas Prophetisches wird ausgesprochen: Durch den Geist Gottes wird die Vollendung kommen. Aber das Reich Gottes ist auch schon angebrochen, der Geist Gottes kann hier und heute wirken: Blumen im Asphalt, Lachen, Versöhnung und sogar Tanz in den Kirchen sind Zeichen des neuen Anfangs.
 
Mit dem Schlüsselwort "Wo" beginnt jede Strophe, und die jeweils erste Textzeile beschreibt kraftvolle Veränderungen. Die übrigen Verse einer jeden Strophe werden wiederholt. "Wo" also hier und heute zuversichtliche und unser Leben und Zusammenleben bejahende Veränderungen geschehen, da weht ein neuer Geist: Gottes Reich ist mitten unter uns.
 
Ein besonderer Pfiff des Liedes: Der Autor selbst lädt mit zum Weiterformulieren ein. Die singende Gemeinde kann Strophen hinzufügen: eigene Bilder und Vorstellungen davon, was für sie zum neuen Himmel und zur neuen Erde dazugehören mag.          
Wo Blumen den Asphalt aufbrechen

Der Liedtext ist urheberrechtlich geschützt und kann nicht dargestellt werden.


Wer die Einladung zum Weitertexten annimmt, muss lediglich in neun aussagekräftigen Silben die erste Zeile des Liedes mit eigenen Gedanken erweitern. Eine dankbare Aufgabe für Bibel-, Gesprächs- und Jugendkreise.
 

Den Text schuf Eugen Eckert. Er arbeitete zunächst als Sozialarbeiter in seiner Frankfurter Heimatstadt und ab 1990 als evangelischer Pfarrer in Offenbach. Seit 1996 ist er Studentenpfarrer an der J. W. Goethe-Universität. Mit Beginn des Jahres 2007 beauftragte ihn die hessische Kirche als Stadionpfarrer in der Frankfurter Commerzbank-Arena. Darüber hinaus ist er als Lehrbeauftragter an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt tätig. Seit 1976 schreibt er Texte Neuer Geistlicher Lieder. Mehr als 1.000 Lieder, sechs Oratorien und weitere Singspiele stammen aus seiner Arbeit.
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Gedanken zur Melodie
Die Melodie ist mit Strophenteil und Refrain zweiteilig aufgebaut. Der Refrain ist als zweistimmiger Kanon komponiert.
 
Die Strophe beginnt in dunkler Tiefe mit der Unterquart, und mit einem Sprung erreicht die Melodie den Grundton von d-moll. Vier repetierende Sechszehntelnoten brechen den "Asphalt" (1.Str.) und weichen die "harten Züge" auf (2.Str.).
 
Erneut hebt die zweite Melodiezeile aus der Tiefe kommend mit einem Quintsprung nach oben an, und der "neue Geist" durchweht die kleine Tonfolge. Die dritte Melodiezeile beginnt ebenfalls in unterer Lage und steigt in zwei Sprüngen auf die Sexte. Großes kündigt sich hiermit an. Die vierte Melodiezeile bereitet mit ihren ruhigen rhythmischen Tonfolgen vor, was Gott uns verheißt. Sehr hell und licht strahlen diese zwei A-Dur Takte und deuten an: Es kommt etwas total Neues.
 
Völlig überraschend beginnt der Refrain in einer ganz anderen Tonart, in D-Dur. Das trompetenhafte Kopfmotiv steigt in die Höhe zum Spitzenton d'' der Melodie, und eine strahlende, glanzvolle, gleichsam himmelblaue Vorstellung von König- und Herrschertum leuchtet in den zwei Anfangstakten. Stufenweise sinkt die Melodie nach unten, insbesondere der fallende Sextsprung auf "werden". Ist hier die schmerzliche Sehnsucht nach Veränderung gemeint?.
 
Unversöhnliche Gegensätze werden in Gottes neuer Welt aufgehoben und vereint. Dies verdeutlicht auch der zweistimmige      
Wo Blumen den Asphalt aufbrechen

Die Melodie ist urheberrechtlich geschützt und kann nicht dargestellt werden.


Kanon, in dem beide Stimmen sich streng imitieren, einander nachlaufen und somit gleichzeitig erklingen. "Wolf und Lamm werden Freunde" findet einen sehr starken musikalischen Ausdruck.
 
Dem dunkleren, mollgetrübten Strophenteil steht der hell leuchtende Refrain gegenüber und lässt uns singen von dem, der gesagt hat: Siehe! Ich mache alles neu!
 
Der Refrain weist in die Zukunft, in der alle Gegensätze aufgehoben sein werden. Dies ist unsere größte Hoffnung: Gottes neue Welt. Die Aufforderung geht an alle Singenden, diese hoffnungsvollen Anzeichen schon heute wahrzunehmen und heute schon damit zu beginnen, sie zu verwirklichen.
 

Die Melodie komponierte die Schweizer Kirchenmusikerin Lilo Schmidt (*1938). Sie ist als Musiklehrerin, Cembalistin und Organistin tätig und Herausgeberin eines ökumenischen Frauenliederbuchs und lebt in Wallisellen (Schweiz).
 
Zur Entstehung des Liedes berichtet Lilo Schmidt folgendes:
In früheren Zeiten habe ich oft für Gottesdienste passende Lieder oder Orgelstücke gemacht. Hier bin ich (zufällig) auf den Text gestoßen und mir kamen sofort Klänge dazu in den Sinn, aber ich erinnere mich nicht mehr, bei welcher Gelegenheit das war.
 
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