Wer nur den lieben Gott lässt walten
Porträt Georg Neumark Georg Neumark
Gedanken zur Melodie
Die Weise (Melodie) ist als g-hypodorisch notiert. Diese Kirchentonart (2.Modus) hat für mich einen nach innen gekehrten Charakter, öffnet den Raum der "Innerlichkeit". Gleichzeitig ist sie fließend und nach vorne gehend. Der Beginn der Weise ist geprägt durch den nach oben strebenden g-moll-Dreiklang. Aber der stürmische Aufschwung wird abgebremst und der Abstieg mündet in den Anfangston. Die zweite Zeile beginnt mit einem Abstieg, dem der nach oben gehende Anfangsquartsprung folgt. Mit einem kräftigen Aufstieg erhebt sich die fünfte Zeile und erreicht den Spitzenton d'' der Melodie. Zentrale Aussagen aller Strophen werden durch diesen Höhenzug hervorgehoben (1. Str.: "Wer Gott, dem Aller-höchsten...", und 7. Str.: "Denn welcher seine Zuversicht...") und somit den Sängern und Betern besonders ans Herz gelegt. Mit einem sanften und stufenweisen Abstieg mündet die sechste Zeile zurück in den Grundton.
 
Die Bewegung der Melodie hat für mich einen Verlauf - wie eine Bergwanderung. Der Aufstieg aus den Niederungen beginnt mühsam, aber behutsam. Damit der Anstieg nicht zu steil hinauf führt, bewegen sich die ersten vier Zeilen auch wieder nach unten. Dann geht es zum Gipfelanstieg steil empor und ein sanfter, ruhiger Abstieg lässt die Eindrücke und Erlebnisse im Grundton widerhallen. Der Wanderer geht gestärkt und in froher Hoffnung weiter.
 
Auch denke ich beim Singen und Anhören dieser Melodie an ein seelsorgerliches Gespräch. Einem von schwermütigen Anfechtungen Geplagten werden in einfühlsamer Weise neue Wege und Perspektiven gezeigt.
 
Die fast 400 Jahre alte Weise singe und spiele ich mit großer Leidenschaft. Die liebevolle Beratung und die frohen Ausblicke des Textes bringt der Dichter und Musiker so zum Ausdruck, dass es zu den großartigsten Trost- und Vertrauensliedern im Gesangbuch gehört.
Ornament