Wachet auf, ruft uns die Stimme


Gedanken zur Melodie
Die Melodie, die Nicolai selbst für sein Gedicht komponiert, gehört zu den großartigsten und gewaltigsten in den Gesangbüchern.
Wort und Ton verschmelzen zu einem vollkommenen Ganzen.

Als "Wächterruf" ist sie durchaus bläserisch und signalhaft empfunden. Gebrochene Dreiklänge im Kopfmotiv und in der Fortsetzung, bewegte Sprünge, die bis zur Dezime des Grundtons hinaufsteigen.

Die beiden Stollen (von Beginn an bis zum Wiederholungszeichen) bilden mit ihrem Scheitelpunkt in der Mittelzeile architektonisch gesehen zwei wunderbare Turmspitzen mit steil aufstrebenden und abfallenden Pfeilern.

Dieser erste Höhepunkt der Weise fällt mit den Worten "sehr hoch auf der Zinne" zusammen.

Der Abgesang (Teil nach der Wiederholung) steht dazu in starkem Kontrast: eine stufenweise abwärtsgleitende Linienführung bis zum Grundton. Dann nochmals eine Bewegung, um in kurzen Anläufen noch einmal den Höhepunkt zu erreichen.

Die Schlussfanfare führt in steilem Absturz zum Grundton zurück.

Ornament