Tochter Zion, freue dich
Gesangbuch der Evangelisch-methodistischen Kirche, Nr. 152
Evangelisches Gesangbuch, Nr. 13
Harmonic Brass
Gedanken zum Text
Dieses großartige Adventslied entstand in seiner jetzigen Form erst um 1820 in Erlangen, als der evangelische Theologe Friedrich Heinrich Ranke einen Text nach Sacharja 9,9 unter den Chorsatz von Georg Friedrich Händel legte.
Zwei weitere Strophen fügte er hinzu, die das kommende, ewige Friedensreich Jesu Christi besingen.

 
Tochter Zion, freue dich, jauchze laut, Jerusalem!
Sieh, dein König kommt zu dir, ja, er kommt, der Friedefürst
Tochter Zion, freue dich, jauchze laut, Jerusalem!
 
Hosianna, Davids Sohn, sei gesegnet deinem Volk!
Gründe nun dein ewges Reich, Hosianna in der Höh!
Hosianna, Davids Sohn, sei gesegnet deinem Volk!
 
Hosianna, Davids Sohn, sei gegrüßet, König mild!
Ewig steht dein Friedensthron, du des ewgen Vaters Kind.
Hosianna, Davids Sohn, sei gegrüßet, König mild!
Tochter Zion, freue dich
In dem in der ersten Strophe zitierten Sacharja-Text wird die allegorische Person Zion (das personifizierte Jerusalem) aufgerufen, sich darüber zu freuen, dass der in den folgenden Strophen umjubelte Davidssohn zu ihr kommt:
 
"Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin." (Sach 9,9)
 
Der Liedtext ist eng mit den ersten beiden Adventswochen verbunden. Am ersten Sonntag im Advent wird in der evangelischen Kirche der Einzug Jesu in Jerusalem (Mt 21,1–9) als Evangelium gelesen:
 
"Dies geschah aber, damit erfüllt würde, was gesagt ist durch das Wort des Propheten: 'Saget der Tochter Zion: siehe, dein König kommt zu dir sanftmütig und reitend auf einem Esel und einem Füllen, dem Sprössling des Saumtieres'. […] Die Massen aber, die ihm vorausgingen, und die nachfolgten, riefen: 'Hosianna dem Sohn Davids, gesegnet sei, der da kommt im Namen des Herrn', Hosianna in der Höhe."
Tochter Zion, freue dich




Gedanken zur Melodie
Majestätisch und festlich punktiert ist der Anfang, in strahlendem Dur gehalten. Dann folgen aufsteigend freudige Achtelnoten, die bei dem Wörtchen "laut" im hohen Ton "es'' gipfeln.
Der Mittelteil ist verhaltener, wendet sich quasi nach innen, in die Molltonart, bevor die Spannung im Melodiebogen wieder steigt und zum Anfang zurückführt: Die ersten beiden Liedzeilen jeder Strophe werden zum Schluss noch einmal wiederholt.
 
Von dem bekannten deutsch-englischen Komponisten des Barock Georg Friedrich Händel stammt diese wunderbare Melodie. Er hat sie 1747 in London für sein Oratorium "Joshua" komponiert. In diesem Oratorium ist sie ein Triumphgesang für den siegreich heimkehrenden Kundschafter Kaleb.
 
Die Melodie kam damals so gut an, dass Händel sie gleich weiterverwendete und in die Neufassung seines Oratoriums "Judas Maccabäus" einbaute.
 
Dadurch ist sie dann richtig berühmt geworden. "See, the conquering hero comes!" – in der deutschen Übertragung: "Seht, er kommt mit Preis gekrönt!" Das war der ursprüngliche Text. Und dieser Triumphtext paßte nicht nur zu den alttestamentlichen Gestalten, sondern genauso zu weltlichen Herrschern unterschiedlichster Epochen.
 
Die in Deutschland als Adventslied bekannte Melodie mit seinen nur sechzehn unterschiedlichen Takten übernahm Friedrich Heinrich Ranke (1798–1876), der den uns bekannten Text unterlegte.
Ornament