Lobe den Herrn, meine Seele
Gesangbuch der Evangelisch-methodistischen Kirche, Nr. 15
Mirjam Langenbach, Gesang
Benedikt Baum, Gesang
Michael Braaz, Klavier
Gedanken zum Text
Mit einem Dankhymnus oder Lobpsalm von ungewöhnlicher Schönheit haben wir es hier zu tun. Psalm 103, eine der reichsten Blüten am Baum des biblischen Glaubens.
 
Welch ein Aufruf: "Lobe den Herrn, meine Seele und seinen heiligen Namen!"
Das hebräische Wort näphäsch = Seele hat eine Fülle von Bedeutungen: Es bezeichnet ganz konkret die Kehle, bedeutet dann allgemein das Leben; an vielen Stellen gerade in den Psalmen bezeichnet näphäsch den Sitz der Empfindungen und Gefühle.
Die Seele ist unruhig und verzweifelt (Ps 42, 6f. 12 45,5), erschrocken (Ps 6,3), sie leidet unter den Bedrängnissen (Ps 31,8). Aber die Seele freut sich auch und jubelt über Jahwe (Ps 35,9).
 
So entsteht im Gegenüber zu Jahwe der Dialog des Menschen mit sich selbst, mit seiner Seele, die er zum Lob aufruft.
Immer wieder findet sich das Wort "loben" in den Psalmen. Es enthält eine Bedeutung, die wir mit dem Wort "danken" wiedergeben würden.
 
Dabei ist jedoch festzustellen, dass es im hebräischen kein Wort gibt, das dem deutschen Wort "danken" entspricht. Im Sinne der Bibel ist das Loben spontan, es geschieht in der Freude; das Lob ist die in Worten gefasste Freude, die sich äußern und mitteilen will.
Lobe den Herrn, meine Seele

Der Liedtext ist urheberrechtlich geschützt und kann nicht dargestellt werden.


Die vier Strophen begründen den Aufruf zum Gotteslob. Es ist in Jahwes Wirken begründet, in seiner vergebenden Liebe, in seiner Nähe, die Menschen auch in ihrer Schwachheit trägt – "Der meine Sünden vergeben hat, der mich von Krankheit gesund gemacht" (1.Str.), oder in der 2.Strophe:" Der mich im Leiden getröstet hat, der meinen Mund wieder fröhlich macht."
 
Diese Worte sind in der Umgangssprache verflacht und vielfach missverstanden worden. Der Begriff "Gnade", der hier zum Ausdruck kommt, meint vielmehr Freundlichkeit und Güte, eine "große Güte", wie der Psalm ausdrücklich betont.
 
Psalm 103 betont in besonderer Weise die Gnade und Barmherzigkeit Gottes. Diese Linie wird dann im Neuen Testament aufgenommen. In der Botschaft Jesu, seinem Wirken und seiner Geschichte wird sie bestätigt und vertieft.
Wer geliebt wird, der kann lieben. Wer Vertrauen erfahren hat, der kann Vertrauen schenken. Die Suche nach gelingendem Leben ist – oft in unsicherer, tastender Form – die Suche nach dem "Gott, der über alle menschliche Vorstellungskraft hinaus den Menschen annimmt und liebt".
Dies ist der Kern der biblischen Gotteserfahrung. Dass etwas von jener Gewissheit an menschlichen Grunderfahrungen aufleuchtet, wird in diesem Lied zum Klingen gebracht.

Die Melodie ist urheberrechtlich geschützt und kann nicht dargestellt werden.


Lobe den Herrn, meine Seele
Gedanken zur Melodie
In den ersten acht Takten - bis zum Einsatz der 2. Stimme - vollführt die Melodie eine sanfte Wellenbewegung, eine Welle der Freude, auf der die Seele dahin getragen wird. Während sich die Wellen hier noch um den Grundton f' herum bewegen, findet zu Beginn der nächsten acht Takte ein Quintsprung nach oben zum c'' statt. Die Wellenbewegung erhebt sich förmlich zum Lob Gottes. Im Lob erhöhen wir Gott, unsern Herrn, so wie Maria in Lukas 1, Vers 46 - 47, bezeugt: "Meine Seele erhebt den HERRN, und mein Geist freuet sich Gottes, meines Heilands." Beim Übergang zum Strophenteil schwingt sie wieder sanft nach unten.
 
Im Strophenteil dominieren die nach oben strebenden Achtelbewegungen.
Durch harmonische Wechsel von a-moll, d-moll, C-dur, b-moll erhalten die Textaussagen ihre besondere Auslegung und Gewichtung.
 
Mit dem Quintton c'' des Grunddreiklanges endet der Strophenteil und führt unmittelbar in den Refrain.