Gedanken zum Text
Der Text von Kurt Rose nimmt Bezug auf Johannes 19,5, wo es heißt: Seht, welch ein Mensch!
 
Mit dem Bekenntnis: "Ich gehöre dazu" beginnt die erste und letzte Strophe. Die Fragen: Wo stehe ich und zu wem gehöre ich in der ersten Strophe fordern dazu auf, Position zu beziehen.
 
Auch ich gehöre zu denen, die als Teil einer Gruppe den Zorn Gottes mit Macht herbeisehnt.
 
Zerrissen zwischen zagender Hoffnung und forderndem Aufbegehren hoffe ich auf der "richtigen" Seite zu stehen. Im Eingeständnis des Drängelns offenbaren sich Ratlosigkeit, Ungeduld und Aggressivität.
 
Durch das Zitat des Pilatus-Ausspruchs "ecce- homo", vollzieht sich in der zweiten Strophe ein Perspektivenwechsel.
 
So werden die Singenden unmittelbar in die Karfreitagsszene eingebunden und die Verknüpfung zu den Menschen von damals wird hergestellt, die die Kreuzigung Jesu herbeiriefen.
 
Der Ich-Drängler und Rufer hat nicht mehr nur einen überzeitlichen Hintergrund, sondern ist Teil einer konkreten Menschenmenge.
 
Ich gehöre dazu

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Ich gehöre dazu, zu den Dränglern und Rufern von damals. Es gibt keinen Unterschied. Nichts trennt mich von ihnen, denn auch ich erhebe die Faust gegen den, der meine Hoffnungen enttäuscht und meine Sehnsüchte nicht wunschgemäß umsetzt. Ich gehöre zu denen, die auf Kreuzigung drängen.
 
Die dritte Strophe wiederholt das Bekenntnis und verschärft in subtiler Weise das Verlassenheitsgefühl. Nun ist alles gekippt! Es ist ein Bekenntnis zur Ohnmacht, die sich schreiend äußert, ein Bekenntnis zu Blindheit, zum Nicht-Verstehen.
 
In außergewöhnlicher Weise werden Zeiträume überbrückt, Gefühle aufgebrochen, Zusammenhänge verschmolzen. Ein Schuldeingeständnis, das die Distanz zum Kreuzesgeschehen überbrückt. Dadurch gewinnt das Lied seine Radikalität und macht den Sänger zu einem Drängler und Rufer im Prozess gegen Jesus.
 
Das Ende bleibt offen.

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