Ich gehöre dazu
Gesangbuch der Evangelisch-methodistischen Kirche, Nr. 212
Karl-Martin Unrath, Gesang
Michael Braaz, Klavier
Gedanken zum Text
Der Text von Kurt Rose nimmt Bezug auf Johannes 19,5, wo es heißt: Seht, welch ein Mensch!
 
Mit dem Bekenntnis: "Ich gehöre dazu" beginnt die erste und letzte Strophe. Die Fragen: Wo stehe ich und zu wem gehöre ich in der ersten Strophe fordern dazu auf, Position zu beziehen.
 
Auch ich gehöre zu denen, die als Teil einer Gruppe den Zorn Gottes mit Macht herbeisehnt.
 
Zerrissen zwischen zagender Hoffnung und forderndem Aufbegehren hoffe ich auf der "richtigen" Seite zu stehen. Im Eingeständnis des Drängelns offenbaren sich Ratlosigkeit, Ungeduld und Aggressivität.
 
Durch das Zitat des Pilatus-Ausspruchs "ecce- homo", vollzieht sich in der zweiten Strophe ein Perspektivenwechsel.
 
So werden die Singenden unmittelbar in die Karfreitagsszene eingebunden und die Verknüpfung zu den Menschen von damals wird hergestellt, die die Kreuzigung Jesu herbeiriefen.
 
Der Ich-Drängler und Rufer hat nicht mehr nur einen überzeitlichen Hintergrund, sondern ist Teil einer konkreten Menschenmenge.
 
Ich gehöre dazu

Der Liedtext ist urheberrechtlich geschützt und kann nicht dargestellt werden.


Ich gehöre dazu, zu den Dränglern und Rufern von damals. Es gibt keinen Unterschied. Nichts trennt mich von ihnen, denn auch ich erhebe die Faust gegen den, der meine Hoffnungen enttäuscht und meine Sehnsüchte nicht wunschgemäß umsetzt. Ich gehöre zu denen, die auf Kreuzigung drängen.
 
Die dritte Strophe wiederholt das Bekenntnis und verschärft in subtiler Weise das Verlassenheitsgefühl. Nun ist alles gekippt! Es ist ein Bekenntnis zur Ohnmacht, die sich schreiend äußert, ein Bekenntnis zu Blindheit, zum Nicht-Verstehen.
 
In außergewöhnlicher Weise werden Zeiträume überbrückt, Gefühle aufgebrochen, Zusammenhänge verschmolzen. Ein Schuldeingeständnis, das die Distanz zum Kreuzesgeschehen überbrückt. Dadurch gewinnt das Lied seine Radikalität und macht den Sänger zu einem Drängler und Rufer im Prozess gegen Jesus.
 
Das Ende bleibt offen.

Ornament
Gedanken zur Melodie
Die eigenwillige Melodie von Herbert Beuerle kommt schwer über die Lippen, stoßweise, fast stöhnend, ja schreiend und doch mit Kraft entringt sie sich der Kehle: Ich gehöre dazu.
 
Durch die Tonsprünge und mehrfache Verwendung eines Tritonus´( ein Intervall, das drei Ganztöne umfasst), erhält die Weise eine einzigartige Spannung.
 
Gleich zu Beginn ein erregender Oktavsprung. Übereinander geschichtete kleine Terzen in der dritten Zeile und der hinauf reißende Tritonus-Sprung in den oberen Leitton am Ende lassen alles offen.

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Ich gehöre dazu

Die Melodie ist urheberrechtlich geschützt und kann nicht dargestellt werden.


Hegenbarth, Josef: Jesus wird am Kreuz erhöht und stirbt  © VG Bild-Kunst, Bonn 2012