Herr, dich loben die Geschöpfe
Gesangbuch der Evangelisch-methodistischen Kirche, Nr. 51
Gesangb. der Ev.-ref. Kirchen der deutschspr. Schweiz, Nr. 527
Kath. Kirchengesangbuch der deutschspr. Schweiz, Nr. 572
Neues Gebet- und Gesangbuch der Christkatholischen Kirche der Schweiz, Nr. 917
Hannelore Finkbeiner, Gesang
Hermann Baum, Orgel
Gedanken zum Text
Der Sonnengesang ist der bekannteste Text des "Franziskus aus Assisi" und zählt aufgrund seiner dichterischen Gestalt und seines Inhalts zur Weltliteratur.

Er entstand in altitalienischer Sprache im Winter 1224/25, als Franziskus krank in einer Hütte bei San Damiano lag. Nach späteren Quellen fügte Franziskus die Friedensstrophe hinzu, um einen Streit zwischen dem Bischof und dem Bürgermeister von Assisi zu schlichten. Die Strophe über "Bruder Tod" verfasste er, als er selbst dem Tode nahe war.

Das Gebet ist nicht nur eine Hymne auf Gottes gute Schöpfung, sondern fordert uns auch in unserem Verhalten zur Welt und in der Annahme von Krankheit und Sterben heraus.

So sehr der Sonnengesang von Freude über die Geschöpfe erzählt, zeigt er dennoch einen kunstvollen Aufbau:

Eingerahmt vom Lob Gottes am Anfang und am Schluss bilden die Strophen über die Gestirne die erste "Etage".

Ihr folgen darunter die Strophen, die den vier klassischen Elementen gewidmet sind: Wind, Wasser, Feuer und Erde.

Die Strophen in der untersten "Etage" besingen die Grenzen des Lebens: Krankheit und Tod.

Die Strophenanordnung lässt die Form eines Kreuzes erkennen, in dem sich das große Licht der Sonne und der Tod, sowie das kleine Licht des Mondes und die Krankheit diagonal gegenüberstehen.

Kreuzform
Herr, dich loben die Geschöpfe


Liedtext
1. Herr, dich loben die Geschöpfe
dich, Gott, loben Raum und Zeit.
Sieh, die edle Schwester Sonne
lobt mit ihrer Herrlichkeit,
diesem Abbild deines Lichts –
alle Schöpfung lobt den Herrn.
2. Lob auch bringen die Gestirne,
Bruder Mond, der Freund der Nacht.
Schau, wie Bruder Wind behände
Lobgesang aus Wolken macht,
tausendfaches Himmelslied –
alle Schöpfung lobt den Herrn.
3. Und die schöne Schwester Wasser
lobt mit Regen, Strom und Quell.
Stark ist unser Bruder Feuer,
macht das Haus uns warm und hell,
preist dich, Gott, mit seinem Glanz –
alle Schöpfung lobt den Herrn.
4. Unsre Schwester, Mutter Erde,
die uns trägt und die uns nährt,
die mit Kräutern, Blumen, Früchten,
Schöpfer, dich ohn Ende ehrt,
feiernd deiner Wunder Werk –
alle Schöpfung lobt den Herrn.
5. Lob dir von den Friedensstiftern,
die ertragen Schimpf und Not.
Lob sei, Gott, dir auch am Ende
durch den guten Bruder Tod,
dem kein Leib entgehen kann.
Alle Schöpfung lobt den Herrn.
Abdruck mit freundlicher Erlaubnis von
© Liturgie- und Gesangbuchkonferenz,
Hirschengraben 50, 8001 Zürich, Schweiz
Herr, dich loben die Geschöpfe


Gedanken zur Melodie
Johann Crüger schrieb 1653 die Melodie und orientierte sich an Psalm 47 des Genfer Psalters, einer Weise von Louis Bourgeois von 1551.

Kennzeichen der Psalmweisen ist die Beschränkung auf zwei Notenwerte, in unserem Lied auf "Halbe" und "Viertel".

Mit der Quinte (5. Ton über dem Grundton), der Grundtonart F-Dur fällt die Melodie in zwei Sprüngen auf den Grundton und die erste (dritte) Zeile endet auf der Terz (3. Ton über dem Grundton).

Alle weiteren Zeilen beginnen mit einer Pause, die der Strophe eine klare Gliederung geben.

Nach der Wiederholung steigt die Melodie empor und erreicht den Spitzenton. Großartig werden die zugehörigen Textzeilen der Strophen durch diesen Anstieg zum "Leuchten" gebracht.

Die Schlusszeile "alle Schöpfung lobt den Herrn" ist in allen Strophen gleich, sie mündet in den Grundton zurück und gibt jeder Strophe eine prägende Gestalt.

Ornament