Die ganze Welt hast du uns überlassen
Gesangbuch der Evangelisch-methodistischen Kirche, Nr. 584
Evangelisches Gesangbuch, Nr. 360
Mirjam Langenbach, Gesang
Benedikt Baum, Gesang
Michael Braaz, Klavier
Florian Baum, Percussion
Dennis Lapp, Bass
Gedanken zum Text
"In der Freiheit bestehen", so das Motto des 12. Deutschen Kirchentags 1965, zu welchem der Text entstand.
 
Das Bild vom "unermesslich weiten Raum" steht für "Freiheit". Diesen Raum haben wir in Besitz genommen, ihn durchmessen, ihn ausgelotet.
 
Dabei erfahren wir seine Möglichkeiten und seine Grenzen. Wir haben die Freiheit aufzubrechen, wohin wir wollen. Es wächst das Bewusstsein, nach eigenem Willen handeln zu können und es wächst der Wille, mächtig zu sein.
 
Für den Menschen, der Gott seinen Schöpfer nennt, ist der "unermesslich weite Raum" eine Gabe, die dem Menschen zugefallen ist. Er gesteht uns die Freiheit zu, über Raum und Zeit dieser irdischen Welt zu verfügen.
Die ganze Welt hast du uns überlassen

Der Liedtext ist urheberrechtlich geschützt und kann nicht dargestellt werden.


Er gönnt es uns, mit dieser Welt umzugehen, als sei sie die unsere, und gleichzeitig werden wir dadurch in die Verantwortung genommen.
 
Waren die Themen zur Entstehungszeit 1964/65 bestimmt durch die Reduzierung der Atomwaffenversuche und der Kontrolle menschlicher Vererbung und Entwicklung, so sind wir in unseren Tagen auf vielfältige Weise aufgefordert, mit der "Freiheit" und ihren Folgen sorgsam umgehen zu lernen.
 
Die 1925 geborene Christa Weiß mahnt uns mit dem Kehrvers "seine größte Gabe gibt er seinen Kindern" zu erkennen, dass eine grenzenlose Freiheit unser Leben bedroht, aber auch die Chance in sich birgt, Gottes großes Geschenk immer neu in unserem Leben zu entfalten.

 
Gedanken zur Melodie
Die Melodie wird von zwei Textschwerpunkten getragen, die sich in allen Strophen finden und für Spannung sorgen:
 
1. "Die ganze Welt" in der Anfangszeile und
 
2. "Freiheit", die den Charakter des Kehrverses (Refrain) prägt.
 
Beide Begriffe enthalten alles Wichtige, aus dem die Melodie ihre Impulse empfängt und auf Singende und Hörende überträgt.
 
Alle Strophenzeilen beginnen mit aufsteigenden Dreiklangs-bewegungen.
 
Im Zusammenwirken mit dem Metrum wird die Energie und der Antrieb spürbar.
 
Eine besondere Steigerung treibt die letzte Strophenzeile (1. Str. "in diesem unermesslich weiten Raum"). Der aufsteigende Dreiklang ist vermindert (Ton As) und erreicht nicht die volle Höhe der Oktave.
Die ganze Welt hast du uns überlassen

Die Melodie ist urheberrechtlich geschützt und kann nicht dargestellt werden.




Dieser Ton wird als "Blue Note" bezeichnet und begegnet uns auch in der Blues-Musik der Schwarzen. Es erwächst der Eindruck, als steuere alles Vorausgegangene auf diesen Ton zu.
 
Das begeistert mich, wenn neben Eigenem und Vertrautem auch das Fremde aus anderen Kulturen Eingang in unser Singen findet.
 
Der Kehrvers beginnt mit einem Oktavsprung, dessen Energie sich in Sprüngen und Schritten entlädt, bis endlich der Grundton (d) erreicht ist.
 
Ähnlichkeiten zur Volksmusik vieler Kontinente ist hörbar und "Freiheit" wird musikalisch erfahrbar, die unter die Haut geht.
 
Diese großartige Melodie verdanken wir Hans Rudolf Siemoneit (* 17. Mai 1927 in Wesel; † 26. Oktober 2009 in Brake (Unterweser). Er war Kantor in Langenfeld, ab 1956 Landesjugend-singwart der Evangelischen Landes-kirche in Baden, Redakteur und Musikdozent.
 
Zuletzt Kantor, Landessingwart und Kirchenmusikdirektor in Bünde/Westfalen, wo er auch bis kurz vor seinem Tode lebte. Er vertonte zahlreiche neue geistliche Lieder.