Befiehl du deine Wege
Gesangbuch der Evangelisch-methodistischen Kirche, Nr. 371
Evangelisches Gesangbuch, Nr. 361
Gesangb. der Ev.-ref. Kirchen der deutschspr. Schweiz, Nr. 680
Hannelore Finkbeiner, Gesang
Ingrid Baum, Sprecherin
Benedikt Baum, Sprecher
Karl-Heinz Baum, Trompete
Hermann Baum, Orgel
Gedanken zum Text
In diesem Lied wird das Leben als Wanderschaft, als Unterwegssein, begriffen. Das Bild des Weges hat der Dichter der Bibel entnommen. Psalm 37, Vers 5: "Befiehl dem Herrn deine Wege, und hoffe auf ihn; er wird's wohl machen" ist der zentrale Gedanke des Liedes.

Der Singende darf seine Lebenswege als Gottes Wege erkennen. Singend begibt sich der Glaubende auf den Weg Gottes und lässt die biblische Wegweisung für sich wahr sein.

Der Rhythmus der Dichtung gibt den getrosten, ruhigen Gang wieder, den nichts außer Atem bringen kann.

Der "Himmel" assoziiert die planmäßige, eherne Ordnung, während "Wolken,Luft und Winde" zufällige, unberechenbare Elemente sind. Beide: Ordnung und Zufall, werden von Gott gelenkt. Wie viel mehr wird Gott Wege finden, da dein Fuß gehen kann. Vom Himmel wandert der Blick über die Wolken bis zu unseren Füßen; vom großartig Erhabenen bis zum Staub des Weges.

In diesem Trostlied werden Gedanken und Empfindungen ausgedrückt, die vielen Menschen zugänglich sind.

Befiehl du deine Wege
Porträt Paul Gerhardt

Paul Gerhardt (1607 - 1676)
Liedtext
1. Befiehl du deine Wege
und was dein Herze kränkt
der allertreusten Pflege
des, der den Himmel lenkt.
Der Wolken, Luft und Winden
gibt Wege, Lauf und Bahn,
der wird auch Wege finden,
da dein Fuß gehen kann.
2. Dem Herren musst du trauen,
wenn dir's soll wohl ergehn;
auf sein Werk musst du schauen,
wenn dein Werk soll bestehn.
Mit Sorgen und mit Grämen
und mit selbsteigner Pein
lässt Gott sich gar nichts nehmen,
es muss erbeten sein.
3. Dein ewge Treu und Gnade,
o Vater, weiß und sieht,
was gut sei oder schade
dem sterblichen Geblüt;
und was du dann erlesen,
das treibst du, starker Held,
und bringst zum Stand und Wesen,
was deinem Rat gefällt.
4. Weg hast du allerwegen,
an Mitteln fehlt dir's nicht;
dein Tun ist lauter Segen,
dein Gang ist lauter Licht;
dein Werk kann niemand hindern,
dein Arbeit darf nicht ruhn,
wenn du, was deinen Kindern
ersprießlich ist, willst tun.
5. Und ob gleich alle Teufel
hier wollten widerstehn,
so wird doch ohne Zweifel
Gott nicht zurücke gehn;
was er sich vorgenommen
und was er haben will,
das muss doch endlich kommen
zu seinem Zweck und Ziel.
6. Hoff, o du arme Seele,
hoff und sei unverzagt!
Gott wird dich aus der Höhle,
da dich der Kummer plagt,
mit großen Gnaden rücken;
erwarte nur die Zeit,
so wirst du schon erblicken
die Sonn der schönsten Freud.
7. Auf, auf, gib deinem Schmerze
und Sorgen gute Nacht,
lass fahren, was das Herze
betrübt und traurig macht;
bist du doch nicht Regente,
der alles führen soll,
Gott sitzt im Regimente
und führet alles wohl.
8. Ihn, ihn lass tun und walten,
er ist ein weiser Fürst
und wird sich so verhalten,
dass du dich wundern wirst,
wenn er, wie ihm gebühret,
mit wunderbarem Rat
das Werk hinausgeführet,
das dich bekümmert hat.
9. Er wird zwar eine Weile
mit seinem Trost verziehn
und tun an seinem Teile,
als hätt in seinem Sinn
er deiner sich begeben
und sollt'st du für und für
in Angst und Nöten schweben,
als frag er nichts nach dir.
10. Wird's aber sich befinden,
dass du ihm treu verbleibst,
so wird er dich entbinden,
da du's am mindsten glaubst;
er wird dein Herze lösen
von der so schweren Last,
die du zu keinem Bösen
bisher getragen hast.
11. Wohl dir, du Kind der treue,
du hast und trägst davon
mit Ruhm und Dankgeschreie
den Sieg und Ehrenkron;
Gott gibt dir selbst die Palmen
in deine rechte Hand
und du singst Freudenpsalmen
dem, der dein Leid gewandt.
12. Mach End, o Herr, mach Ende
mit aller unsrer Not;
stärk unsre Füß und Hände
und lass bis in den Tod
uns allzeit deiner Pflege
und Treu empfohlen sein,
so gehen unsre Wege
gewiss zum Himmel ein.
Befiehl du deine Wege


Gedanken zur Melodie
Erst seit dem 18.Jahrhundert wird das Lied nach der Melodie von Bartholomäus Gesius gesungen, vermittelt durch Georg Philipp Telemann, 1730.

Sie verläuft in gleichmäßig strömendem Fluss und erstreckt sich über acht Töne.

Der melodische Verlauf der ersten vier Zeilen ist ein ständig kreisendes Auf und Ab. Große Sprünge werden jedoch vermieden und ein ruhiger Charakter ist, trotz aller Bewegung, zu verspüren.

In der 5. Zeile erreicht die Aufwärtsbewegung ihren Höhepunkt und bei "Luft" (1.Str.) wird ein einziges Mal die obere Oktave angeschlagen. Bis zum Melodieende ist eine ruhige, stufenweise absteigende Linie zu erkennen, die aber immer wieder durch aufsteigende Melodieteile lebendig unterbrochen wird.

Der Grundton "d" erscheint nur in der ersten und letzten Note und bindet die Melodie zu einem großen Bogen zusammen. Sie verströmt eine getroste und seelsorgerliche Wirkung.

Der erste Psalmton (Dorisch) prägt die Weise, obwohl auch der d-moll Charakter mit sehr freizügiger Benutzung in verwandte Tonarten nicht zu überhören ist.

Ornament