Aus der Zwiebel wird die Blume
Gesangbuch der Evangelisch-methodistischen Kirche, Nr. 661
Hannelore Finkbeiner, Gesang
Hermann Baum, Orgel
Gedanken zum Text
Der Zauber von Hymn of Promise (Lied der Verheißung) zeigt sich in der kunstvollen Gesamtkomposition von Text, Melodie und harmonischem Gerüst.

Die Liederdichterin und Komponistin Natalie Allyn Wakeley Sleeth schuf dieses Lied kurz nach dem Tod ihres Mannes, und dem österreichischen Theologen Lothar Pöll gelang eine sehr gute deutsche Übertragung in musikalisierter Sprache.

Entwicklung, Erwartung und Hoffnung sind die Themen der Strophen. In immer neuen und ausdrucksstarken Bildern werden natürliche Kreisläufe und Entwicklungen beschrieben.
Aus der Zwiebel wird die Blume

Der Liedtext ist urheberrechtlich geschützt und kann nicht dargestellt werden.


Die anklingende Erwartung in dem Begriff "Frühling" der ersten Strophe steigert sich in der zweiten Strophe in den Worten "Nacht-Dunkel-Morgen". Den Höhepunkt bildet die dritte Strophe mit dem Satz "Unser Ende ist ein Anfang". Die scheinbaren Gegensätze Tod und Leben, Winter und Frühling, Nacht und Tag werden miteinander versöhnt. Der Prozess des "Neuwerdens" äußert sich kraftvoll in der Aussage "unentdeckt, bis seine Zeit kommt, Gott allein kennt den Sinn".

Als menschliche Wesen werden wir daran erinnert, dass wir das Geheimnis des Lebens nicht völlig verstehen können, dass aber "Gott allein" es kennt. In dieser Hoffnung dürfen und können wir leben.
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Gedanken zur Melodie
Die achtzeilige Melodie gliedert sich in zwei Hälften.
Die vier ersten Zeilen bilden die tiefere Liedhälfte. Jede Melodiezeile beginnt mit der Unterquart (vier Töne unter dem Grundton). Die Aussagen der dritten Melodiezeile bringen in allen Strophen einen dunklen Aspekt:
Das Versteck im "Kokon" (ein Gehäuse, das besonders die Raupen der Schmetterlinge anfertigen, um sich darin zu verpuppen) (Str.1), "Nacht und Dunkel" (2.Str.), "aus dem Zweifel" (Str.3). In den vierten Zeilen wird die im Dunkeln versteckte Hoffnung benannt. Die Melodie pendelt um den Grundton f, wie eine harmonische Fessel, die keine Modulationen zulässt.

Mit der fünften Zeile beginnt die zweite Liedhälfte und die harmonische Fessel wird gelöst. Modulationen in parallele Molltonarten und in die Subdominante (vierte Stufe einer diatonischen Tonleiter) hellen auf, deuten an, es kommt etwas Neues.
Aus der Zwiebel wird die Blume

Die Melodie ist urheberrechtlich geschützt und kann nicht dargestellt werden.


Die Tonsprünge werden größer und in den Zeilen fünf und sieben wird der höchste Ton der Melodie erreicht. Damit übersteigt der Umfang der Melodie den Tonraum einer Oktave – häufig in der Musik ein Hinweis auf die Eröffnung von Transzendenz.

Als Zwischenspiel erklingt das Lied, wie es im Gesangbuch der Presbyterianischen Kirche in Taiwan zu finden ist. Die taiwanesische Melodie mit einer ausdrucksstarken Begleitung schafft eine ruhige und tiefgründige Atmosphäre. Der Komponist I-to Loh ist emeritierter Professor für Musikethnologie und Kirchenmusik am Presbyterian Tainan Theological College in Taipeh (Taiwan), dessen Präsident er auch war.
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